Seit der Veröffentlichung von ChatGPT Ende 2022 hat sich nicht nur verändert, wie wir Texte schreiben und Informationen suchen. Es hat sich auch verändert, in welcher Sprache Wissen entsteht und weitergegeben wird.
Und diese Sprache ist immer häufiger Englisch.
Hier der Artikel in Audioform zum anhören:Englisch war in der IT schon immer stark. Programmiersprachen, Dokumentationen, Fehlermeldungen, Handbücher und internationale Projekte – alles überwiegend Englisch. Damit arbeite ich seit Jahrzehnten. Das ist nichts Neues und grundsätzlich auch kein Problem.
Neu ist die Geschwindigkeit, mit der Englisch inzwischen andere Sprachen verdrängt.
Seit generative KI überall eingesetzt wird, nimmt diese Entwicklung massiv zu. Texte werden auf Englisch erzeugt, Videos auf Englisch veröffentlicht und Schulungen auf Englisch gehalten. Selbst Unternehmen aus Deutschland treten fast nur noch auf Englisch auf, weil sie sich für „international“ halten.
Deutsch kommt dann irgendwann vielleicht noch als automatische Übersetzung vor.
Wenn überhaupt.
Technisches Wissen braucht eine verständliche Sprache
Ein englischsprachiger Artikel kann theoretisch von sehr vielen Menschen gefunden werden. Das ist das übliche Argument: größere Reichweite, mehr Leser, mehr Sichtbarkeit.
Auf dem Papier stimmt das.
Es sagt aber nichts darüber aus, ob die Menschen den Inhalt wirklich verstehen.
Gerade bei technischen Themen reicht es nicht, einen Text grob übersetzen zu können. Wer sich in Linux, Netzwerke, künstliche Intelligenz, Elektronik oder Amateurfunk einarbeitet, muss Zusammenhänge verstehen. Ein einzelner unbekannter Begriff ist dabei selten das Problem. Schwierig wird es, wenn gleichzeitig die Technik und die Sprache neu sind.
Dann hat der Leser zwei Baustellen statt einer.
Ein Anfänger muss erst verstehen, was ein System macht. Wenn er parallel dazu jeden zweiten Fachbegriff übersetzen und anschließend prüfen muss, ob er ihn überhaupt richtig verstanden hat, wird aus einer einfachen Einführung sehr schnell eine unnötige Hürde.
Natürlich gibt es automatische Übersetzungen. Heute sogar erstaunlich gute. Aber eine Übersetzung ersetzt nicht automatisch einen Artikel, der von Anfang an für ein deutschsprachiges Publikum geschrieben wurde.
Ein guter deutschsprachiger Fachartikel erklärt nicht nur Wörter. Er erklärt den Zusammenhang in einer Sprache, in der der Leser denkt.
Das ist ein Unterschied.
Warum ich seit Jahren auf Deutsch schreibe
Ich betreibe seit vielen Jahren einen deutschsprachigen IT-Blog. Dort sind inzwischen mehrere hundert Artikel erschienen.
Dabei ging es mir nie darum, die theoretisch größtmögliche Zahl von Menschen zu erreichen. Ich wollte technische Dinge so erklären, dass andere sie nachvollziehen, ausprobieren und für ihre eigenen Systeme verwenden können.
Meine Artikel handeln von Linux, Docker, Netzwerken, Raspberry Pi, Datensicherheit, künstlicher Intelligenz und Amateurfunk. Viele dieser Themen könnte ich auch auf Englisch veröffentlichen. Damit würde ich möglicherweise mehr Aufrufe erzielen.
Möglicherweise.
Aber Reichweite ist nicht dasselbe wie Wirkung.
Ein technischer Artikel ist nicht erfolgreich, weil jemand daraufgeklickt hat. Er ist erfolgreich, wenn danach ein Server läuft, ein Fehler gefunden wurde oder jemand ein Thema verstanden hat, vor dem er vorher ratlos stand.
Genau deshalb brauchen wir weiterhin deutschsprachige Technikblogs.
Wenn wir alle nur noch auf Englisch schreiben, verschwindet deutschsprachiges Fachwissen nicht auf einen Schlag. Es verschwindet Stück für Stück. Erst fehlen Artikel zu neuen Themen. Dann fehlen die passenden Videos. Danach fehlen Schulungen und Vorträge. Am Ende bleibt nur noch die automatische Übersetzung englischer Inhalte.
Technisch mag das funktionieren.
Kulturell ist es eine Bankrotterklärung.
Auf YouTube sieht man die Entwicklung besonders deutlich
Wer auf YouTube nach technischen Themen sucht, merkt sehr schnell, wie groß das Ungleichgewicht inzwischen ist.
Zu Linux, Docker, KI, Elektronik, Programmierung, Selbsthosting oder Amateurfunk gibt es im englischsprachigen Raum eine kaum noch überschaubare Menge an Kanälen. Jeden Tag kommen neue Videos hinzu.
Im deutschsprachigen Raum sieht es anders aus. Die wirklich bekannten Kanäle kann man in einigen Fachbereichen fast an einer Hand abzählen.
Also schaut der nächste Interessierte wieder ein englisches Video. Dadurch bekommt dieses mehr Aufrufe, wird vom Algorithmus häufiger vorgeschlagen und erreicht noch mehr Menschen. Wer selbst einen Kanal startet, sieht diese Zahlen und produziert ebenfalls auf Englisch.
Das System verstärkt sich selbst.
Mehr englische Inhalte führen zu mehr englischer Reichweite. Mehr Reichweite führt zu noch mehr englischen Inhalten.
Und jetzt kommt die künstliche Intelligenz dazu.
Ein großer Teil der öffentlich verfügbaren technischen Inhalte liegt auf Englisch vor. Mit diesen Inhalten wurden auch große Sprachmodelle trainiert. Sie übernehmen die Begriffe, die Strukturen und zu einem gewissen Teil auch die Sichtweisen aus diesem Sprachraum.
Die KI kann anschließend eine deutsche Antwort erzeugen. Das funktioniert inzwischen sehr gut. Die sprachliche und inhaltliche Grundlage bleibt trotzdem häufig englisch geprägt.
Kurz gesagt: Die KI antwortet auf Deutsch, aber sie denkt – bildlich gesprochen – auf Englisch.
Vom Sommerschlussverkauf zum „Summer Sale“
Das Problem betrifft längst nicht mehr nur die IT.
Man muss lediglich durch eine deutsche Innenstadt gehen. Früher gab es einen Sommerschlussverkauf. Heute gibt es einen „Summer Sale“. Aus dem Kundendienst wurde der „Customer Service“, aus der Besprechung ein „Meeting“, aus der Rückmeldung „Feedback“ und aus der Kasse der „Checkout“.
Nicht weil diese Wörter genauer wären.
Sie sollen moderner klingen.
Sprache hat sich schon immer verändert. Deutsch hat über Jahrhunderte Begriffe aus anderen Sprachen übernommen. Das ist normal. Niemand muss krampfhaft jeden technischen Begriff eindeutschen.
Darum geht es nicht.
Es geht um die Frage, warum vorhandene und allgemein verständliche deutsche Wörter ohne erkennbaren Grund ersetzt werden. Nicht ergänzt – ersetzt.
Ein älterer Mensch muss nicht wissen, was „Sale“, „Checkout“ oder „Self Service“ bedeutet, um in Deutschland einkaufen zu können. Er sollte auch nicht das Gefühl bekommen, in seinem eigenen Land nicht mehr zur eigentlichen Zielgruppe zu gehören.
Sprache soll Verständigung ermöglichen.
Wenn sie nur noch dazu dient, modern und international zu wirken, läuft etwas falsch.
International oder nur englischsprachig?
Besonders massiv ist mir diese Entwicklung bei einer deutschen Firma in Berlin aufgefallen.
n8n ist ein erfolgreiches Unternehmen aus Berlin und entwickelt eine Plattform für Prozessautomatisierung. Das Unternehmen wird inzwischen als europäisches Einhorn bezeichnet. Ich arbeite selbst damit, kenne das Produkt und beobachte die Entwicklung seit längerer Zeit.
Technisch ist es interessant. Darum geht es hier nicht.
Was mir auffällt, ist die nahezu vollständig englischsprachige Außendarstellung. Schulungen, Videos, Liveübertragungen, Präsentationen und Gespräche auf LinkedIn oder YouTube finden überwiegend auf Englisch statt. Fragen werden auf Englisch gestellt und auf Englisch beantwortet.
Die Begründung dafür lautet sinngemäß: Wir sind ein internationales Unternehmen.
Nein.
Ausschließlich Englisch zu sprechen ist nicht international. Es ist monolingual.
Nur eben auf Englisch.
International wäre ein Unternehmen, das seine Kunden auf Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch und in weiteren Sprachen erreicht. Internationalität bedeutet für mich, verschiedene Sprachen und Kulturen einzubeziehen.
Eine einzige Sprache für alle vorzuschreiben, ist das genaue Gegenteil.
Natürlich braucht ein Unternehmen mit Mitarbeitern aus vielen Ländern eine gemeinsame Arbeitssprache. In vielen Fällen wird das Englisch sein. Das ist praktisch und nachvollziehbar.
Aber es gibt einen Unterschied zwischen einer gemeinsamen internen Arbeitssprache und einer vollständig englischsprachigen öffentlichen Wissensvermittlung.
n8n ist eine deutsche GmbH mit Sitz in Berlin. Trotzdem spielt die deutsche Sprache in der öffentlichen Kommunikation kaum eine Rolle. Gerade bei Schulungen und Einführungen halte ich das für bedenklich. Ein deutsches Unternehmen könnte problemlos auch deutschsprachige Inhalte anbieten, ohne deshalb seinen internationalen Anspruch aufzugeben.
Es müsste sie nur erstellen wollen.
Englischsprachig und international sind nicht dasselbe. Einsprachigkeit bleibt Einsprachigkeit – unabhängig davon, welche Sprache verwendet wird.
Neun sprechen Deutsch – einer Englisch
Dasselbe Verhalten beobachte ich seit Jahren bei Veranstaltungen, Besprechungen und Vorträgen.
Zehn Menschen sitzen in einem Raum. Neun davon sprechen Deutsch. Eine Person spricht nur Englisch.
Was passiert?
Die gesamte Gruppe wechselt ins Englische.
Sofort und meistens ohne jede Diskussion.
Das gilt als höflich, weltoffen und international. Ich stelle trotzdem die Frage: Warum müssen neun Menschen ihre Sprache wechseln, weil eine einzige Person die Landessprache nicht spricht?
Es gibt Situationen, in denen das vollkommen vernünftig ist. Ein Besucher, der für zwei Tage in Deutschland ist, kann nicht vorher einen Deutschkurs absolvieren. Eine internationale Projektgruppe braucht eine gemeinsame Sprache. Niemand soll absichtlich von einer wichtigen Besprechung ausgeschlossen werden.
Das Problem ist nicht die pragmatische Entscheidung.
Das Problem ist der Automatismus.
Es wird gar nicht mehr gefragt, ob die betreffende Person etwas Deutsch versteht. Es wird nicht versucht, einzelne Punkte zu übersetzen. Es wird auch nicht überlegt, ob englische Folien oder eine schriftliche Zusammenfassung ausreichen würden.
Einer spricht kein Deutsch, also sprechen alle Englisch.
Aus einer sinnvollen Ausnahme ist eine feste Regel geworden.
Von mir wird Englisch erwartet – aber ich darf kein Deutsch erwarten?
Genau an dieser Stelle fehlt mir die Gegenseitigkeit.
Von mir wird selbstverständlich erwartet, dass ich Englisch spreche, damit mich andere verstehen. Gleichzeitig soll ich offenbar nicht erwarten dürfen, dass Menschen, die dauerhaft in Deutschland leben und arbeiten, Deutsch lernen und die Sprache auch verwenden.
Warum eigentlich nicht?
Wo bleibt der Respekt vor der Kultur, der Gesellschaft, dem Land und seiner Sprache?
Respekt ist keine Einbahnstraße.
Er bedeutet nicht nur, dass die Menschen eines Landes jedem Neuankömmling sprachlich entgegenkommen. Respekt zeigt sich auch darin, dass man sich mit der Sprache des Landes beschäftigt, in dem man lebt.
Wer dauerhaft in Deutschland lebt, braucht Deutsch beim Einkaufen, beim Arzt, bei Behörden, im Wohnumfeld und im gesellschaftlichen Alltag. Die gemeinsame Sprache ist mehr als ein Werkzeug für die Kommunikation. Sie ist ein wichtiger Teil der Zugehörigkeit.
Wenn alle sofort auf Englisch umschalten, sobald jemand kein Deutsch spricht, verhindert das sogar einen Teil dieser Integration. Wo soll jemand Deutsch sprechen lernen, wenn ihm jede Gelegenheit dazu abgenommen wird?
In vielen anderen Ländern wird von mir als Besucher oder Einwanderer zumindest erwartet, dass ich mich um die dortige Sprache bemühe. Dort stellt nicht die gesamte Umgebung dauerhaft ihre Sprache um, nur weil ich sie nicht beherrsche.
In Deutschland scheint dagegen schon die Erwartung, dass jemand Deutsch lernen könnte, als unhöflich zu gelten.
Das halte ich für falsch.
Integration bedeutet nicht, dass eine Gesellschaft ihre gemeinsame Sprache aufgibt. Integration bedeutet, dass Menschen aufeinander zugehen.
Beide Seiten.
Mein Barcamp-Vortrag blieb auf Deutsch
Ich hatte genau diese Situation bereits bei einem Barcamp.
Mein Vortrag war auf Deutsch angekündigt. Die Veranstaltung fand in Deutschland statt und das Publikum war überwiegend deutschsprachig. Weil eine Person kein Deutsch sprach, kam die Erwartung auf, den gesamten Vortrag auf Englisch zu halten.
Ich habe das abgelehnt.
Der Vortrag blieb auf Deutsch.
Nicht, weil ich diese Person ausschließen oder ihr gegenüber unhöflich sein wollte. Der Vortrag war deutsch angekündigt und richtete sich an ein deutschsprachiges Publikum. Also habe ich ihn auch auf Deutsch gehalten.
Diese Entscheidung muss möglich sein, ohne dass man sich dafür rechtfertigen muss.
Deutsch zu sprechen ist in Deutschland weder rückständig noch ausgrenzend. Einen Fachvortrag auf Deutsch zu halten bedeutet nicht, dass man Englisch ablehnt. Es bedeutet auch nicht, dass man gegen internationale Zusammenarbeit ist.
Es bedeutet lediglich, dass man der eigenen Sprache noch einen Platz zugesteht.
Wenn niemand diesen Platz beansprucht, verschwindet er. Erst werden die Vorträge englisch. Dann die Schulungen. Danach die Dokumentationen und Videos. Irgendwann fehlen uns selbst die Wörter, um neue technische Entwicklungen in unserer Sprache zu beschreiben.
Das passiert nicht durch ein Verbot.
Es passiert, weil alle freiwillig umschalten.
Andere Länder gehen selbstbewusster mit ihrer Sprache um
Nach meiner persönlichen Beobachtung ist diese Anpassungsbereitschaft in Deutschland besonders ausgeprägt.
Auch in spanischsprachigen Ländern werden englische Begriffe verwendet. Internationale Unternehmen und neue Technologien sind dort genauso vorhanden. Trotzdem nehme ich die englische Sprache dort im öffentlichen Alltag nicht so dominant wahr wie in Deutschland.
Spanisch wird selbstverständlich gesprochen.
Ein Unternehmen muss nicht erst komplett auf Englisch umschalten, um modern zu wirken. Ein Geschäft muss nicht jeden verständlichen Begriff ersetzen, nur damit das Werbeplakat international aussieht.
Das ist meine persönliche Wahrnehmung und keine wissenschaftliche Sprachstudie. Aber die Frage bleibt:
Warum gehen wir in Deutschland mit unserer eigenen Sprache so wenig selbstbewusst um?
Warum muss ein deutscher Begriff erst durch einen englischen ersetzt werden, damit eine Sache modern, jung oder technisch fortschrittlich erscheint?
Die Technik wird dadurch nicht besser.
Nur die Verpackung wird englischer.
Es geht nicht gegen Englisch
Ich arbeite seit Jahrzehnten in der IT. Ohne Englisch geht es dort nicht. Dokumentationen, internationale Projekte, Softwareentwicklung und Fehlersuche wären ohne eine gemeinsame Sprache erheblich schwieriger.
Ich lehne Englisch nicht ab.
Ich lehne auch keine Menschen ab, die aus anderen Ländern kommen oder eine andere Muttersprache sprechen.
Mir geht es um etwas anderes: Deutsch darf nicht zur Sprache für den privaten Alltag werden, während Technik, Wissenschaft, Wirtschaft und Bildung vollständig ins Englische abwandern.
Eine Sprache bleibt nur dann lebendig, wenn mit ihr auch neue Dinge beschrieben werden. Sie muss in der Lage bleiben, technische Zusammenhänge, wissenschaftliche Erkenntnisse und gesellschaftliche Veränderungen auszudrücken.
Wenn wir anspruchsvolle Inhalte nur noch auf Englisch veröffentlichen, nehmen wir der deutschen Sprache genau diese Möglichkeit.
Und wir schließen gleichzeitig Menschen vom Wissen aus, die komplexe Inhalte in ihrer Muttersprache deutlich besser verstehen würden.
Die KI lieferte mir den Beweis gleich selbst
Wie tief diese Dominanz der englischen Sprache inzwischen in den KI-Systemen steckt, hat mir ChatGPT bei der Erstellung des Artikelbildes unfreiwillig selbst bewiesen.
Meine Vorgabe war eindeutig: Es ging um die deutsche Sprache, um technisches Wissen auf Deutsch und um die zunehmende Verdrängung unserer Sprache durch künstliche Intelligenz.
Das Ergebnis?

Im Mittelpunkt des Bildes standen Begriffe wie „AI“, „Cloud“, „Workflow“, „Prompt“, „Meeting“, „Support“ und „Automation“. Fast alle wichtigen Begriffe waren auf Englisch. Die wenigen deutschen Wörter wie „Wissen“, „Technik“ oder „Unterstützung“ erschienen dagegen klein und eher nebensächlich.

Damit machte die KI genau den Fehler, den ich in diesem Artikel beschreibe.
Obwohl ich auf Deutsch geschrieben hatte und obwohl es ausdrücklich um die Verdrängung der deutschen Sprache ging, stellte die KI die englischen Begriffe automatisch in den Vordergrund. Ich musste ihr anschließend erklären, dass sie offensichtlich auf Englisch denkt und mir gerade selbst den Beweis für die Dominanz der englischen Sprache geliefert hatte.
Das ist für mich mehr als nur ein misslungenes Artikelbild. Es zeigt, wie tief diese Gewichtung bereits in den Systemen steckt. Englisch wird nicht nur übersetzt oder zusätzlich angeboten. Es wird automatisch als die eigentliche Sprache der Technik angenommen. Deutsch erscheint daneben wie eine Ergänzung, eine Übersetzung oder eine sprachliche Ausnahme.
Genau darin liegt das Problem.
Wenn selbst eine künstliche Intelligenz bei einem ausdrücklich deutschsprachigen Thema automatisch englische Begriffe in den Mittelpunkt stellt, dann ist die Verdrängung längst keine theoretische Befürchtung mehr. Sie findet bereits statt – leise, selbstverständlich und oft so unauffällig, dass wir sie kaum noch hinterfragen.
Ich bleibe bei Deutsch
Ich werde weiterhin auf Deutsch schreiben.
Ich werde technische Artikel auf Deutsch veröffentlichen und deutsch angekündigte Vorträge auf Deutsch halten. Nicht weil ich Englisch nicht kann. Nicht weil ich internationale Zusammenarbeit ablehne.
Sondern weil ich nicht bereit bin, meine eigene Sprache ohne Not aufzugeben.
Vielleicht bringt ein englischer Artikel mehr Klicks. Vielleicht erreicht ein englisches Video theoretisch die ganze Welt.
Mein Ziel war aber nie, theoretisch die ganze Welt zu erreichen.
Mein Ziel war, dass jemand nach dem Lesen etwas verstanden hat und damit weiterarbeiten kann.
Die Dominanz des Englischen hat inzwischen ein Ausmaß erreicht, bei dem bloßes Beobachten nicht mehr reicht. Wer sprachliche Vielfalt erhalten will, muss seine Sprache benutzen. Im Alltag, in Vorträgen, in Videos und gerade auch bei technischen Themen.
Für mich ist das kein Kampf gegen Englisch.
Es ist eine Entscheidung für Deutsch.
Und bei dieser Entscheidung bleibe ich.
Information zu Bildern: Redaktionelle Illustration, erstellt mit Gemini